Lieblings-Menschen: Fluthelfer und Unterstützer

6/05/2013

Aus gegebenem Anlass gibt es heute keinen Post zu Nagellack, Nageldesign oder Rezepten. Nach der Jahrhundertflut 2002 trifft das Hochwasser auch wieder weiter Teile im Osten Deutschlands. Neben Bayern und Thüringen ist auch Sachsen wieder stark betroffen und der Pegelstand der Elbe steigt und steigt.Die Medien berichteten damals aktiv und tun es auch heute.

Fluthilfe 2002

Ich kann mich noch gut an 2002 erinnern, denn die Bilder im Fernsehen schockierten mich sehr. Ich habe damals meine Funktion als Schülersprecherin meines Gymnasiums genutzt und mit vielen freiwilligen Helfern innerhalb von 2 Tagen eine Spendenaktion auf die Beine gestellt, die es in sich hatte.
Nachdem ich meine Idee präsentiert hatte und Unterstützung von Lehrern und Schülern erhielt, spendeten am nächsten Tag zahlreiche Schüler Kleinigkeiten wie CDs, Bücher, Kuscheltiere, aber auch Porzellanfiguren, Weinflaschen, selbstgestaltete Werke oder auch einige Pflanzen. Innerhalb eines Tages wurden die Sachspenden sortiert und ausgepriesen. Noch am gleichen Abend wurden die Sachspenden dann am Abend vor den am gleichen Tag stattfindenden Elternversammlungen präsentiert. Viele Eltern fanden die Idee mit dem Verkauf toll. Und es waren auch einige dazu bereit, mehr als die ausgeschriebenen Preise zu bezahlen. Durch diese spontane Idee, einen Basar zu organisieren und so Spendengelder für die vom Hochwasser Betroffenen zu sammeln, kam ein Summe von fast 1500€ zusammen. Bereits wenige Tage später wurde das gesammelte Geld an das St. Augustin Gymnasium in Grimma überwiesen, die das Geld in eine neue Musikanalge investierten, da die alte stark unter dem Wasser gelitten hatte. Auch dieses Jahr hat es Grimma wieder stark erwischt und auch beim Gymnasium St. Augustin sind Spenden zur Beseitigung der Hochwasserschäden gerne gesehen.
[kursive Auszüge aus dem Artikel "Aktion Flutopferhilfe im Jahr 2002", Jahresfestschrift des Hennebergischen Gymnasiums "Georg Ernst Schleusingen, Jahrgang 2002/2003, S. 23].

Fluthilfe 2013

11 Jahre später bin ich selbst vor Ort. Durch mein Studium bin ich im wunderschönen Dresden gelandet, dass auch liebevoll als Elbflorenz bezeichnet wird. Nicht das Fernsehen sondern meine eigenen Augen zeigen mir, wie aus der Elbe, die sonst elegant und harmonisch an der Altstadt vorbei führt, nach tagelangem Dauerregen zu einem reißenden und stinkendem braunen Monster geworden ist. Da, wo sonst die Touristen ihre Bootstouren auf der Elbe buchen und gemütlich am Terrassenufer schlendern, ist nach kurzer Zeit kein Gehweg und keine Straße mehr erkennbar. Innerhalb kürzester Zeit breitet sich die Elbe aus und das Wasser sucht und findet seinen Weg.

Beunruhigt habe ich zunächst im Internet und übers Fernsehen die Situation verfolgt. Doch ich konnte nicht lange untätig zusehen, wie sich zahlreiche freiwillige Fluthelfer vor allem via Facebook mobilisierten und gegen die Wassermassen mit Sandsackbefüllungen und dem Bauen von Dämmen kämpften. Nachdem meine Telefonate am frühen Morgen mit Einzelhandelsunternehmen in Dresden erfolglos blieben und ich nicht mit Lebensmittelspenden für die Helfer rechnen konnte, schlug ich einen anderen Weg ein. 

Ich nahm mir eine leere Plastedose und begann in meinem Hauseingang nach Spenden zu fragen. Trotz der Anonymität einen 11 Geschossers und der Tatsache, dass unser Haus nicht von den Fluten betroffen sein wird,  kam dabei einiges zusammen. Bis auf einige Ausnahmen, spendete ein Großteil meiner Nachbarn Geld und/oder Essen (Wurst, Marmelade, Brot, Äpfel). Zusammen mit meiner Spende kam ich auf den beachtlichen Betrag von 50,50 €. Mit dem gespendeten Geld, kaufte ich
dem Bäcker um die Ecke die letzten 50 Doppelbrötchen ab und bekam zusätzlich noch 5 Doppelbrötchen geschenkt. Anschließend ging ich zu Lidl und kaufte Käse, Wurst und Margarine, um die Brötchen zu belegen, ebenso wie 2 Säcke Äpfel, damit die Fluthelfer bei ihrer harten Arbeit auch ein paar Vitamine bekommen. Von den restlichen 4 Euro besorgte ich bei einem anderen Bäcker ebenfalls nocheinmal 14 Doppelbrötchen, sodass ich am Ende auf 69 Semmeln kam.

Daheim angekommen merkte ich, dass diese Masse unmöglich von mir alleine bewältigt werden kann. Ein kleiner Post bei der Facebook Seite Fluthilfe Dresden [Wer in welcher Form auch immer helfen möchte, findet hier hilfreiche Informationen, wo Hilfe, Helfer und Material oder Verpflegung gebraucht werden.] sorgte dafür, kurze Zeit später Jacqueline mit ihrem Töchterchen Adriana sowie Stephanie, die sich spontan als Fahrerin bereit erklärte, vor meiner Tür standen. Gemeinsam bereiteten wir alle Brötchen zu und machten uns anschließend auf den Weg, um das Essen an die zahlreichen Fluthelfer auf der Altstadtseite der Elbe zu verteilen. Nachdem wir im Bereich Terrassenufer / Brühlsche Terrasse / Semperoper alle Helfer versorgt hatten, konnten wir dank Stephanies Einsatz als Fahrerin auch die weiter entfernten Ortsteile wie Leuben, Lockwitz und Laubegast erreichen und den Helfern Verpflegung da lassen. 


Nachdem ich gegen 20 Uhr daheim war und den Tag völlig ermüdet Revue passieren ließ, wurde mir erstmal bewusst, dass dies alles nicht ohne die Hilfe und Unterstützung zahlreicher Freiwilliger möglich gewesen wäre. 

Deswegen widme ich den heutigen Post mit dem Titel "Lieblings-Menschen" an:

⇒ DANKE an die Nachbarn in meinem Hauseingang, die so bereitwillig Geld und Lebensmittel gespendet haben, damit die Fluthelfer einen ganzen Tag lang versorgt werden konnten!

 

⇒ DANKE an die freiwilligen Fluthelfer, die den ganzen Tag an Sandsackfüllstationen schuften, damit in den Gefahrenzonen überall Sandsäcke zur Verfügung stehen!

 

⇒ DANKE an die freiwilligen Fluthelfer, die unermüdlich Dämme bauen, um das Schlimmste zu verhindern!

 

⇒ DANKE an die Leute von der Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei und vom THW, die ebenfalls unermüdlich im Einsatz gegen das Hochwasser kämpfen!

 

⇒ DANKE an die Gründer der Facebookseite Fluthilfe Dresden, durch die die Koordination von Helfern, Sand, Sandsäcken und Verpflegung auch ohne offizielle Angaben des Dresdner Krisenstabes ermöglicht wird!

 

⇒ DANKE an die vielen Freiwilligen und Unternehmen aus Dresden und Umgebung, die ebenfalls Verpflegung für die Fluthelfer machen und verteilen!

 

⇒ DANKE an die vielen Freiwilligen, die Menschen und Tiere aus den evakuierten Gebieten aufnehmen!

 

⇒ DANKE an die Fluthelfer im Allgemeinen, die trotz der harten Arbeit und der immer weiter steigenden Elbe ihren Mut, ihre Hoffnung und ihre Freundlichkeit nicht verlieren!

 

⇒ Auch bei Stephanie, Jacqueline und Adriana möchte ich mich nocheinmal für die spontane Unterstützung herzlich bedanken!

 

DANKE an alle, die in diesen Tagen so sehr an andere denken und helfen, wo sie können!



Ich könnte diese Liste immer weiter führen und habe wahrscheinlich auch einige vergessen, aber genau diese Menschen zeigen deutlich, was die Dresden momentan bewegt und so besonders macht: 

Hier wird nicht gejammert, sondern angepackt. Es spielt absolut keine Rolle, ob man selbst in den vom Hochwasser betroffenen Stadtteilen lebt, denn jeder tut das und soviel wie er kann. Der Zusammenhalt ist wirklich absolut beeindruckend! Menschen, die sich nicht kennen, arbeiten Hand in Hand zusammen und geben ihr Bestes, um die Stadt vor den schlimmen Auswirkungen des Hochwassers zu schützen.


Natürlich kann man sich in solch schwierigen Zeiten auch über verschiedene Dinge aufregen, zum Beispiel,  dass viele Menschen entlang der Elbe das Hochwasser beobachten, ohne zu helfen. Das raubt aber nur zusätzliche Kraft, die anderswo dringend gebraucht wird. An die Beobachter (oder auch Gaffer, wie sie gerne genannt werden) sei nur soviel zu sagen: Bitte steht den Fluthelfern und Rettungskräften nicht im Weg! Es spricht nichts dagegen, ein solches Naturschauspiel zu beobachten, aber das geht auch ohne blöde Kommentare und ohne andere bei der Arbeit zu behindern!

Da bisher nicht genau abzusehen ist, wann das Hochwasser ein Ende hat, wird sich die Situation in den nächsten Tagen vermutlich nicht ändern und auch nach dem Hochwasser wartet viel Arbeit auf die Helfer und die Betroffenen. Die Aufräumarbeiten sind dabei wohl das kleinste Übel im Gegensatz zu den Menschen die ihr Hab und Gut verloren haben und mit leeren Händen dastehen.

Wenn ihr nicht aus Dresden seid oder nicht in der Lage seid, vor Ort zu helfen, und trotzdem etwas tun möchtet, dann könnt ihr euch gerne auf der Notfallseite der Stadt Dresden informieren, in welcher Form ihr helfen könnt.

Die Stadt hat jetzt unter anderem ein Spendenkonto  für die Hochwasseropfer eingerichtet:
Empfänger: Landeshauptstadt Dresden
Konto: 3120 000 034
Bank: Ostsächsische Sparkasse Dresden
BLZ: 850 503 00
Verwendungszweck: Hochwasserspende für ......
Internationale Konto-Nummer:
IBAN: DE 23 850 503 00 3120 0000 34
BIC: OSD DD E 81 

Bei Angabe der vollständigen Adresse erhält die Spenderin bzw. der Spender eine Zuwendungsbestätigung von der Stadtkämmerei zugeschickt.
(Stand 5. Juni 2013, 13:30 Uhr) 

Wer seine Hilfe nicht ausschließlich auf Dresden konzentrieren möchte, findet auf der Seite des MDR eine lange Liste mit weiteren Spendenkonten für die Betroffenen des Hochwassers 2013 in Deutschland.

Zum Abschluss gibt es noch einige Bilder, die ich allerings bei einem Pegelstand von weit unter 7 Metern gemacht habe:
Blick von der Augustusbrücke in Richtung Theaterkahn

Blick von der Brühlschen Terrasse in Richtung Augustusbrücke/Terrassenufer




 [Zum Vergrößern bitte die Bilder in diesem Post anklicken!]






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10 Kommentare

  1. großen respekt für den einsatz! :O


    http://kleinemiezekatze.blogspot.de

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    1. Ja, ich finde auch, dass jeder Einzelne, der sich irgendwie engagiert hat vollen Respekt verdient hat.

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  2. Erstaunlich wie Menschen in so Situationen zusammen halten können! :)


    http://erdbeercola.blogspot.de/?m=0

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    1. Das ist wahr, ich habe so einen großen Zusammenhalt selbst noch nirgens erlebt! Ohne die freiwilligen Helfer und die Organisation über Facebook, wären jetzt sicher mehr Stadtteile überschwemmt.

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  3. Toll, das du dich für sowas gutes einsetzt!

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    1. Danke, aber ignorieren kann man das auch kaum, schließlich ist man doch froh, wenn man selbst Hilfe braucht und sie dann auch bekommt :)
      Obwohl es natürlich schöner wäre, wenn die Hilfe gar nicht erst nötig wird.

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  4. Schöner Post, wirklich wichtig, dass es Menschen gibt, die in solchen Situationen helfen. Ich versuche immer so oft es geht zu diesen Menschen zu gehören ;)

    Liebe Grüße, Marie

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    1. Ja das versuche ich auch und wenn jeder nur einen kleinen Beitrag leistet, kann damit Großes erreicht werden.

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  5. Es ist einfach nur wahnsinn, was in manchen Orten los ist... Ich finde es auch total unvorstellbar, da es bei uns so langsam richtig Sommerlich wird und wir täglich Temperaturen von bis zu 25 Grad haben. Ich finde es super wie du dich dafür einsetzt. Immer wieder toll zu sehen, dass Menschen doch noch zusammenhalten können und nicht nur an sich denken. Vielen Dank für diesen sehr informativen Post!

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    1. Die Temperaturen haben wir mittlerweile auch und die Elbe geht ja zum Glück zurück. Ich hoffe die Stadt schafft es sich schnell vom Hochwasser zu erholen, aber vorher stehen noch die ganzen Aufräumarbeiten an.
      Vielen lieben Dank für das Lob - das kann ich eigentlich nur an die vielen anderen Helfer weitergeben. Einer alleine hätte vermutlich gar nichts bewirken können.

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